Eine der Kernaussagen Seths ist im Grunde so radikal, daß sie geradezu zum Widerspruch herausfordert: Glaubenssätze bestimmen die persönliche Realität. Allerdings macht es wenig Sinn dem zu widersprechen, da alsbald die logischen Argumente ausgehen und die Feststellung übrig bleibt, widerlegen läßt sich diese These nicht.
Seth spricht hier im Grunde davon, daß Realität nicht unabhängig von uns existiert, sondern von unseren Überzeugungen gestaltet wird. Das sind zunächst einmal die ganz alltäglichen, grundlegenden „Tatsachen“, etwa unser Menschsein, daß wir leben, aber auch wie wir leben. Alles, das wir als Tatsache ansehen, beruht nach Seth auf einem entsprechenden Glaubenssatz und nur deshalb ist es. Und nur deshalb ist es so wie es ist.
Seth sagt noch mehr: ändere deinen Glaubenssatz und du änderst die Welt in der du lebst. Das mag man glauben oder auch nicht.
Ein ganz banales Beispiel: Vor mir auf dem Tisch steht ein Glas. Dieses Glas ist dort, weil mein Glaubenssatz, daß es dort steht es erzeugt hat. So sagt Seth. Und er sagt, daß alles, das mir im Leben widerfährt auf eben diese Weise erzeugt wird.
Ich würde schon sagen, daß diese Sichtweise unseren traditionellen Denkmustern heftigst widerstrebt. Aber ist sie deshalb falsch?
Auf Träume geht Seth in seinen Thesen immer wieder ein und beleuchtet verschiedene Aspekte und Facetten dieses Themas.
Ich möchte hier einen Gesichtspunkt aufgreifen, weil er eine praktische Anleitung zum Umgang mit Glaubenssätzen liefert.
Nach Seth werden Träume vom Inneren Selbst erzeugt, und zwar aus den verschiedensten Gründen und mit den verschiedensten Absichten. Gar nicht so selten sind dabei Träume, die auf problematische Glaubenssätze aufmerksam machen sollen, aber das ist natürlich individuell verschieden.
Es kann also von Vorteil sein, sich mit seinen Träumen zu befassen, um Glaubenssätze aufzuspüren, die zu Problemen führen. So könnte beispielsweise ein Traum vom Streit mit dem Chef den Hinweis auf einen entsprechenden Glaubenssatz enthalten. Sei es, daß man in einer Frage anderer Meinung ist als der Vorgesetzte oder wie auch immer. Träume können solche Hinweise auf Probleme enthalten, die dem Wachbewußtsein vielleicht noch gar nicht klar geworden sind. Träume können auch – nicht nur in diesem Zusammenhang – neue Aspekte einer Sache ins Spiel bringen oder neue Sichtweisen eröffnen.
Charles